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Wer die Hoffnung vor seinen Wagen spannt, fährt doppelt so schnell.
polnisches
Sprichwort

11.7.2017

Die erste Urlaubswoche haben wir getrennt verbracht - Andreas war mit seinem Bruder in Prag, während die Gaia-Percussion beim größten Folk-Festival Deutschlands in Rudolstadt gespielt hat. Den Start am Montag mussten wir für eine kurze Pause verschieben; am Dienstag kann es nun endlich losgehen.

Die Straßen sind frei - um diese Zeit startet vermutlich kein Urlauber. Erstes Ziel ist Wiselka an der polnischen Ostsee. Je östlicher wir kommen, desto nostalgischer werden die Straßen - unser Auto kann das ab. Den ersten Leuchtturm, den wir anschauen wollen, finden wir noch nicht, dafür aber einen Campingplatz mit deutschem Standard, was die Sanitäreinrichtungen betrifft, zu einem sehr vernünftigen Preis (15€).
Wir richten uns schnell ein und nutzen den direkten Ostsee-Zugang für eine erste strandspazierende Fußmassage - das ist besser als jede Physiotherapie! An der Zeltplatzversorgungsstation ist gerade eine Kinderbespaßung im Gange. Zuerst gibt es eine scheinbar wirklich interessante Erklärung von Schildkröten und Schlangen mit lebenden Beispielexemplaren; dann sind zwei Vortänzerinnen an der Reihe, die mit einer lustigen und vermutlich bekannten Choreographie zur polnischen Version des Liedes "Im Radio ist ein..." nicht nur die Mädchen sondern auch einige Jungen begeistern und zum Mitmachen animieren.
Im Zeltplatzladen kaufen wir Tomaten, Gurken, Zwiebeln, Hühnchenschaschlik und leckeres Bier. Sobald wir mit dem Kochen beginnen, droht der Himmel mit dicken Wolken. Wir verziehen uns unter unser Heckklappendach und kommen zu einem leckeren Abendfutter.
 

12.7.17

Unsere erste Leuchtturmsuche in Wiselka bleibt erfolglos; aber das macht gar nichts, es kommen ja noch mehr. Für das Frühstück kaufen wir unterwegs an einer kleinen Bude geräucherte Fischfilets. Eigentlich mag ich Fisch zum Frühstück nicht, aber bei frischer Ostseeluft ist eben alles anders.

Den zweiten Leuchtturm in Niechorze sehen wir schon von weitem, können ihn also nicht verfehlen. Im letzten Jahr haben wir hier geschlafen und waren weit und breit die Einzigen. Heute ist das Gelände voll touristisch erschlossen und gut besucht. Genau deshalb verzichten wir auch auf das Hochklettern - die Warteschlange sieht nach einer halben Ewigkeit aus.
Wir stellen die nächsten Leuchttürme ins Navi ein, fahren los und es beginnt zu regnen. Also sind wir jetzt Autotouristen im wahrsten Sinne des Wortes und schauen uns alles nur noch durch die nasse Windschutzscheibe an. Dennoch genieße ich die vielen von Bäumen gesäumten Straßen, die den Eindruck erwecken, wir würden in einen Bilderrahmen hinein fahren.
Andreas ist besonders von den Getreidefeldern begeistert, die so traditionell bewirtschaftet aussehen und auf denen tatsächlich noch Kornblumen blühen. In Kluki finden wir schließlich einen schönen Rastplatz direkt am Nationalpark. Ein Esslinger Camper steht schon hier und erzählt uns, dass es hier eine große Wanderdüne gibt. Wenn es morgen etwas trockener wird, schauen wir uns die an. Während Andreas unseren abendlichen Salat zubereitet, komme zwei neugierige Kühe und ein Kälbchen.
Denen wird es hier aber bald zu langweilig; sie lassen uns mit unserem Essen allein und wir schlafen bald im stetig gleichmäßigen Regenrauschen ein.
 

13.7.17

Geschafft! Der Morgen erwartet uns mit strahlend blauem Himmel und ein paar knuffigen Schäfchen- und Schleierwolken.

Gemeinsam mit unseren Esslinger Nachbarn starten wir zur nächsten Ortschaft und kraxeln hier (natürlich nur auf den erlaubten Wegen) über die Wanderdüne, die sich pro Jahr etwa 10 km weit bewegen soll. Ich find es total cool hier - manchmal erinnert es mich sogar an die nordafrikanische Wüste. Da dies natürlich ein Naturschutzgebiet ist, gibt es keinerlei touristische Bewirtschaftung. Die Strände sind leer und werden nur von Wanderern genutzt. Diesen schließen wir uns an - ich liebe Strandspaziergänge und Andreas kommt mir zuliebe tapfer mit.

Für ihn gefühlte 100 km weiter führt uns der nächste Strandaufgang wieder zu einem Leuchtturm. Der steht so versteckt inmitten des dichten Kiefernwaldes, dass wir uns von dem Ausblick wenig versprechen und das Hinaufklettern sparen. Unsere neue Esslinger Bekanntschaft bestätigt uns nach ihrem Aufstieg, dass wir die richtige Entscheidung getroffen haben. Am Parkplatz gibt es eine kleine Futterbude zum Krafttanken: wir lassen uns heißen Milchkaffee, kühles Bier, Tomatensuppe und Kartoffelecken gut schmecken.

Auf dem Weg nach Ulinia, wo laut Karte der nächste Leuchtturm steht, fahren wir wieder über die schmalen von dichtem Baumwerk gesäumten Straßen vorbei an alten Bauernhöfen und zerfallenden Herrenhäusern. Die kleinsten Straßen in Ulinia führen uns nur ins Nichts; also verzichten wir wieder einmal und kehren um in Richtung Hel. Auf der schmalen Landzunge fahren wir zielgerichtet den Parkplatz an, auf dem wir schon im letzten Jahr gut geschlafen haben.

Nachdem Andreas uns gegen den Wind kämpfend ein leckeres Abendessen gezaubert hat, gehen wir mit Stühlen, Wein, Bier, Käse und Decke zum Meer. Hier gibt es, wie wir uns erinnern, einen schmalen Sandstrandstreifen, auf dem wir uns niederlassen können, um die Sky-Surfer zu beobachten. Andreas wird auch gleich mit eingespannt, um einen der großen Drachen zu landen.

Zum Abschluss des Abends spazieren wir in das benachbarte schnucklige kleine Mini-Halligallidorf und finden hier natürlich urig polnische Strandkneipen. Die Bedienung ist wieder so cool und aufgeschlossen, dass wir um einen kleinen Smalltalk nicht herum kommen. Als Hintergrundmusik läuft Amy McDonald - da bin ich doch gedanklich gleich wieder bei den tollen Konzerten in Rudolstadt. Zum Abschluss landen wir bei Bier und Mojito und haben jetzt auch die ersehnte WLAN-Verbindung für den Kontakt nach Hause.
 

14.7.17

Unser Auto wird dermaßen von Mücken umschwärmt, dass wir uns schnell aus dem Staub machen und für Morgentoilette und -kaffee mal wieder ein gelbes M nutzen. Den Weg durch Gdansk wollen wir uns sparen, was das Navi leider nicht versteht. Egal, was wir eingeben, es führt uns immer wieder zurück zur Großstadt und so stehen wir dann doch drei Stunden im Stau. Davon lassen wir uns aber die Laune nicht verderben.

In Gniew erspäht Andreas ein Backsteingebäude mit vier Türmen und biegt kurz entschlossen ab. Wir stehen plötzlich vor einer Kreuzritterburg, die zwar als Hotel genutzt wird, aber trotzdem können wir hinein gehen und uns den Innenhof und einige Säle anschauen. Auf einem Plakat finden wir die Karte der umliegenden Burgen und haben somit natürlich unsere nächsten Ziele gefunden.

In Kwidzyn (Marienwerder) besichtigen wir im Burgmuseum zuerst den Bierkeller - die Glasausstellung dort interessiert uns weniger als das Gemäuer, viele geniale Mosaike, die scheinbar tatsächlich Originale sind, und interessante Gegenstände des täglichen Lebens (z.B. Mühlsteine, Töpferscheiben, Webstühle, Spinnräder, Truhen, Schränke, Fischernetze usw. - mich begeistern besonders ausziehbare Wiegen, die also eine Weile mit den Kindern "mitwachsen" konnten). An den Wänden sind deutschsprachige Schriftzüge erhalten, die darauf hinweisen, dass das Gebäude als Gericht und Gefängnis diente. Was nicht fehlen darf, sind zum Schluss noch jede Menge ausgestopfter Tiere. Die zur Burg gehörende Kirche ist schon geschlossen.
Auf einige ausgeschriebene Burgruinen verzichten wir und fahren weiter bis kurz vor Lidzbark Warminski (Heilsberg). Hier suchen wir uns einen gemütlichen Übernachtungsplatz, um morgen gleich mit Kultur starten zu können.

15.7.17

Gegen 6 ist es mit der Gemütlichkeit vorbei, weil die Rastplatzpflegekolonne mit ihren Rasenmähern anrückt. Dank der Ohrenstöpsel gibt es noch ein Stündchen Schlaf, dann geben wir uns geschlagen.

Zuerst schauen wir uns ein kleines Schlösschen genau gegenüber der großen Burg an. Hier ist eine für alle zugängliche Bibliothek untergebracht, einige Wandmalereien sind teilweise erhalten - es ist alles sehr liebevoll hergerichtet.

Von der Burg selbst sind wir wieder einmal sowas von begeistert - zunächst von der Kirche,
dann schon von der Außenanlage und dem Innenhof.
Wir beginnen mit den Kellerräumen, in denen alte Originalfiguren aufbewahrt werden und die Geschichte der Burg dargestellt wird. Ein kleiner Film mit Erklärungen am Burgmodell endet mit der deutschsprachigen Aufforderung: "Erhalte mich!" - das ist den Polen gut gelungen.
In der ersten Etage kommen wir in eine kleine Kapelle und sparsam möblierte große Säle mit herrlicher Akustik - ich kann mich nicht beherrschen und schon ein leise gesungenes "Eiris sazun idisi" klingt absolut großartig. Die beiden oberen Stockwerke sind moderner Kunst vorbehalten, von denen uns nur wenig gefällt - wir sind ja aber auch hauptsächlich wegen des Gebäudes hier.
In Ketrzyn (Rastenburg) steht eine kleinere aber genauso schöne Burg, die wir uns natürlich auch ansehen. Auf dem Innenhof ist ein winziger und sehr liebevoller Markt aufgebaut, wir kaufen uns nur eine Kabanossi, weil wir eigentlich gar keinen Hunger haben. Der junge Mann am Museumseinlass wechselt für uns spontan ins Englische - so etwas finde ich auch immer ganz toll. Die Ausstellung ist eher bescheiden, zeigt aber an vielen Stellen die deutsche Geschichte - ist somit für uns doch wieder interessant.

Die Burg in Ryn ist vollständig Hotelbereich. Wir umrunden sie mit dem Auto, finden aber nichts zum Hineingehen. Nach den bisherigen tollen Erlebnissen des Tages stört uns das aber nicht. In der Nähe von Elk sind wir mit Freunden verabredet. Es sind noch 60 km, wir rechnen also mit etwa einer Stunde - und stehen plötzlich in einem gewaltigen Stau. Weil er so extrem ist, laufe ich vor, um zu sehen, was los ist. Unterwegs kommt mir gefühlt ganz Polen entgegen. Und irgendwann finde ich einen netten Mann, der mir erklärt, dass hier eine Art Militärtreffen mit polnischen, russischen, rumänischen und auch noch anderen Streitkräften fast zu Ende ist und etwa 15.000 Menschen dabei sind, das Gelände zu verlassen.

Wir brauchen noch zwei Stunden, bis der Verkehr wieder rollt. Den Abend verbringen wir im "Haus am See", nehmen uns hier auch ein Zimmer und genießen den herrlichen Blick, bis uns die Mücken vertreiben.
 

16.7.17

Nach einem reichlichen und gemütlichen Frühstück fahren wir auf den Markt der Einheimischen in Elk.

An den ersten Ständen gibt es Schuhe ohne Ende und jede Menge Klamottos, die wir alle nicht wollen und brauchen - mit einer Ausnahme: ein Paar Sneakers fallen für mich ab. Der Trödelmarkt ist interessanter, obwohl wir hier natürlich auch nichts kaufen. Bemerkenswert sind die Relikte aus Kriegszeiten - Orden, Säbel, Pickelhauben, Fotos und, was mich am meisten fasziniert, sogar Streichholzschachteln mit entsprechenden Portraits.

Auf Google-Maps hatte ich in Elk einen Skansen gesehen, den ich mir gern anschauen möchte. Erst überrascht uns daneben aber ein Schmalspurbahnmuseum. In die Dampfloks und Holzwagons können wir hinein klettern. Eine kleine Eisenbahnausstellung ist interessanter als erwartet. Die Männer sind besonders von einem gusseisernen Ofen und einem Schwungrad, dessen Funktion jedoch nicht zu ergründen ist, begeistert.

Der Skansen selbst sieht wie ein Schrebergarten mit Holzfigurensammlung aus. Wir werfen nur einen kurz Blick über den Zaun und verzichten dann. Jetzt haben wir Appetit auf einen Eisbecher; das ist jedoch leichter gesagt als getan. Die Bedienung braucht für den Verkauf einer Eiskugel eine gefühlte Viertelstunde und es stehen noch einige Kunden vor uns - so viel Geduld haben wir nicht.

In Stare Juchy steht ein hölzerner Aussichtsturm und nebenan gibt es den ersehnten Eisbecher, bevor wir nach oben klettern. Der Rundumblick lohnt sich wirklich.

Eigentlich möchte Andreas zum Abendessen in irgendeiner polnischen Kneipe einkehren; wir sind aber eher für's eigene Kochen. Also kredenzt er uns leckere Bratkartoffeln mit Steak und Ei.
 

17.7.17

Der Himmel weint, als wir unser "Haus am See" verlassen. Wir schauen uns die polnische Landschaft und die kleineren und größeren Ortschaften heute also wieder durch die Autoscheiben an.

Die Bereitschaft zu Besichtigungsabstechern ist durchaus vorhanden; die braunen Kulturschilder weisen aber nur zu Kirchen, Sanktuarien und Friedhöfen - das wollen wir alles nicht.

Als wir dann schon einen Übernachtungsplatz suchen, zeigt das Ortseingangsschild von Sandomierz einen Stare Miesto an; also biegen wir kurzerhand dorthin ab und landen in einer im positiven Sinn typisch polnischen Kleinstadt. Als wir den Parkplatz vor der Stadtmauer bezahlen wollen, kommen wir mit der polnischen Beschriftung des Automaten nicht so richtig klar. Ein vorbeifahrendes Auto hält an, ein junger Mann springt heraus, fragt auf Englisch, ob er helfen könne und erklärt, dass das Parken bis morgen früh um 8 Uhr frei ist.

Also machen wir uns unbesorgt auf den Weg. Sandomierz ist einfach toll. Die kleinen Gassen mit den schmucken Häuschen, das alte Rathaus auf dem Marktplatz, die große Burg und das anliegende dominikanische Kloster erinnern ein bisschen an Krakau - wie eine kleinere Ausgabe.

Nach unserem Spaziergang kehren wir im Lapidarium unter dem Rathaus ein. Die junge Kellnerin spricht englisch mit uns und bemüht sich sehr, alle unsere Wünsche zu erfüllen. Andreas trinkt ein Schwarzes und ich ein Mint-APA - erstaunlich lecker! Am Nachbartisch wird geraucht, was mich sehr stört. Als die jungen Leute das merken, nehmen sie sehr viel Rücksicht; ich bin begeistert von Polen und seiner Jugend.
Die Hähnchen-Nuggets mit Pommes und Mayo sind absolut kein Fastfood sondern alles hausgemacht und superlecker. In der zweiten Runde gibt es noch zwei andere IPA-Sorten. Auch die schmecken sehr gut; wir fotografieren die Brauereiadresse auf dem Etikett, um sie später wieder zu finden.
 

18.7.17

Das erste braune Kultur-Schild führt uns heute in Dzikowie zu einem kleinen Schloss im Park Tarnowskich. Anschauen kann man es nur mit einer Führung; das wollen wir natürlich wieder nicht.

Das Schloss Baranow in Sandomierski gefällt uns sehr gut; die Numismatik-Ausstellung

Die Grenze in die Slowakei überqueren wir kurz hinter Dukla.

 

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