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Ägypten 2015

Kairo   El Fayoum

 
4.2.2015
Früh sammeln wir Ini ein, fahren nach Berlin, fliegen nach Frankfurt und von dort auf die Minute pünktlich weiter nach Kairo.
Wir haben per Internet einen Mietwagen gebucht und bezahlt - mit der Maßgabe, vor Ort KEINE weiteren Zahlungen zu leisten, weil alle Gebühren und Versicherungen inklusive sind. Der Europcar-Mensch ist sehr nett und erzählt mir als erstes, dass noch keine Zahlung eingegangen ist. Damit kommt er nicht durch, denn ich habe ja die Belege dabei. Dann möchte er 650 Dollar als Vorauszahlung für eventuelle Schäden, die wir bei unfallfreier Fahrt zurück bekommen würden. Für solche Fälle sollen wir jedoch nur unsere Kreditkartennummer hinterlegen. Jetzt will er noch 200 € für irgend eine andere Versicherung, ohne die er wohl das Auto nicht hergeben darf.
Wir verweisen ihn an die deutsche Telefonnummer und gehen in der Zeit das Auto, einen Nissan Sunny, begutachten. Der ist rundherum mit Schrammen und Kratzern übersät, die alle peinlichst genau ins Übergabeprotokoll eingezeichnet werden. Per Telefon klären wir dann, dass es keine weitere Kohle gibt und fahren tatsächlich mit Zustimmung los.
Der Verkehr ist genau so, wie ich ihn in Erinnerung habe. ICH fahre hier nicht! Aber Andreas bringt uns sicher zum Tahrirplatz. Nur leider ist hier weit und breit kein City-View-Hotel, in dem wir gebucht haben, zu entdecken. Wir gondeln ein paar mal ums Ägyptische Museum, das rundum von Panzerwagen geschützt ist. Ich frage einen verkehrsregelnden Polizisten, der mir nur antwortet: "No English!" Schließlich gibt es keine andere Möglichkeit mehr, als den telefonischen Kontakt. Das Englisch am anderen Ende verstehe ich sehr schlecht, deshalb drücke ich das Handy kurz entschlossen einem jungen Mann auf der Straße in die Hand. Der lässt sich auf arabisch erklären, geht dann drei Schritte mit mir und zeigt auf einen Schriftzug im 5. Stock. Und siehe da - unser Hotel befindet sich direkt über unserem so wenig hilfsbereiten Polizisten. Inzwischen ist auch Tarek, der junge Mann vom Hotel aufgetaucht. Den setzen wir zu Andreas ins Auto, damit er ihm die Garage (was hier ein öffentlicher Parkplatz ist) zeigt. Ini und ich finden jetzt den Weg zu Fuß.
Als erstes wird uns der fantastische Blick aufs Museum präsentiert, dann dürfen wir unser Zimmer beziehen. Und weil sich Tarek so um uns sorgt, stellt er die Klimaanlage erst einmal auf 30°C ein. Das machen wir natürlich schnell wieder rückgängig. Nachdem wir noch Toilettenpapier und einen Föhn besorgt, die Decken vom Bett in eine Ecke entsorgt und unsere Schlafsäcke bereit gelegt haben, machen wir uns auf den Weg zu einer ersten Schnupperrunde zum Nil.

Auf dem schönen Aussichtsbalkon gibt es noch ein Stella-Bier. Jetzt sind wir richtig angekommen.
 
5.2.2015
Die Zeitumstellung hat unsere Wecker durcheinander gebracht. So stehen wir erst um 8 Uhr auf und treffen uns auf ein schnelles Frühstück, damit wir noch frühzeitig ins Ägyptische Museum kommen. Der Fotoapparat soll draußen bleiben. Da wir zur Aufbewahrung aber nicht so richtiges Vertrauen haben, versuchen wir es trotzdem. Das Einlasspersonal widersteht unseren Überredungsversuchen und bleibt streng. Wir müssen die Knipse erst noch abgeben.
Im Museum lernen wir: Sarkophage gab es aus verschiedenen Materialien - aus Stein mit aufgelegten Skulpturen, aus farbenprächtig bemaltem Holz und auch aus edlen Metallen. Die eingebundenen Mumien scheinen riesengroße Füße gehabt zu haben. Jedenfalls ragen die Zehenspitzen der Särge weit nach oben. In der Tutenchamun-Abteilung werden wir stark an die Matrjoschka-Bauweise erinnert. Der König wurde mumifiziert und mit seiner berühmten Totenmaske in einen Sarkophag, dieser in einen zweiten, dieser in einen dritten gelegt, dieser in einer goldenen Grabkammer bestattet, welche wiederum in eine zweite, dritte und vierte geschoben wurde. Das Prinzip des Ineinandersteckens ist also eine eindeutig vorrussische Erfindung. Dass wir die Totenmaske im Original sehen können, ist eine gelungene Überraschung. In der Presse hatten wir gelesen, dass der Bart abgefallen sei und nur notdürftig mit "Kittifix" wieder angeflickt wurde. Deshalb sollte sie eigentlich zur fachmännischen Reparatur sein. Mich begeistern wieder besonders die auf Holz gemalten Portraits, die zu den in der Fayoum-Oase gefundenen Mumien gehören. Auf den Besuch der Königsmumien verzichten wir und sehen uns dafür Tiermumien an: zwei ewig lange Krokodile mit einem nur etwa 15 cm großen Babykrokodil, einen heiligen Fisch und diverse Haustiere, die den Verstorbenen als Nahrungsquelle dienen sollten. An jeder Ecke jeden Saales ist deutlich sichtbar, dass im alten Ägypten Bescheidenheit keine Zier war. Überdimensionale Statuen zeugen vom Drang der Pharaonen, die vorhergehenden Dynastien zu übertreffen.
Unser Mittagsspaziergang führt uns mit einer gut gefüllten Falafeltüte nicht so direkt wie geplant zum Khan El Khalili. Dafür kommen wir durch die zutiefst einheimischen Märkte und Gassen. Wir sind weit und breit die einzigen Touristen und werden überall freundlich begrüßt. Auch gegen unsere Knipserei hat niemand etwas einzuwenden.
Irgendwann haben wir durch die typisch im Bogen verlaufenden Straßen wieder absolut die Orientierung verloren und müssen das zum Glück perfekt funktionierende GPS bemühen, um uns zum großen Basar zu finden.
Wir brauchen nun dringend eine Pause und finden dafür die Kebabgrillstube, die uns von unserer Freundin Azza empfohlen wurde. Bei dem Vorspeisensalat sind wir etwas skeptisch. Mit Limetten dazu und einem Schluck mitgebrachter Ouzo-Medizin hinterher werden wir das gut überstehen. Als Hauptgericht gibt es einen Mix aus Hammelvariationen. Die Reste werden von hungrigen Miezekatzen verschlungen.
Eine Toilette gibt es leider nicht; aber unser nächstes Ziel ist sowieso das Dachrestaurant mit dem herrlichen Blick über die Stadt. Die Toiletten hier sind nicht schön, aber besser als keine. Da wir ja schon gut gesättigt sind, gibt es nur noch einen sehr nach Vitaminen schmeckenden Limonensaft. Abwärts wollen wir die Treppe nehmen.
Der Liftboy erklärt uns, das sei nicht möglich - natürlich, weil er ein Bakschisch erwartet - kriegt er aber nicht! Nun ist alles gut und wir können den Basarbummel beginnen. Wohl auch besonders wegen des Touristenmangels wollen uns alle Händler in ihre Geschäfte locken.
Wir suchen uns einen, der freundlich und nicht so aufdringlich ist. Hier finden wir einen schönen Skarabäus für Ini, den wir aber erst kaufen, nachdem wir ihn von 140 auf 60 LE (ägyptische Pfunde) herunter gehandelt haben. Und diesmal bekommen WIR ein Bakschisch - einen kleinen Skarabäus - dazu. Aus Tradition soll es in einem afrikanischen Land noch einen Trommelschlüsselanhänger geben, aber die sind leider stockhässlich. Obwohl sie - vermutlich deshalb - billig sind, wollen wir sie nicht.
Zurück nehmen wir den Weg, den wir hinzu nicht gefunden haben - über den Basar für sämtliche Gebrauchsartikel an der Zisterne vorbei zum Stadttor Bab Zuweila auf den Zeltmachermarkt. Hier werden wir von einem Ägypter in gutem Deutsch angesprochen, der uns zu seinem glaskünstlerischen Familienladen schleppen will. Wir gehen nur ein Stück weit mit, erklären ihm dann, dass wir in eine andere Richtung müssen, was ihn sehr verdrießlich macht. Aber gekauft hätten wir in seinem Glasladen ja sowieso nichts.
Durch den lautstark hupenden Verkehr bahnen wir uns den Weg zurück zu unserem Hotel. Auf dem Aussichtsbalkon haben wir uns inzwischen unseren Stammplatz fürs Erholungs-Stella gesichert. Ich schreibe schnell noch die heutigen Erlebnisse ins Tagebuch, bevor wir uns auf den Weg zum Abendessen machen, für das wir (bzw. unser Concierge) einen Tisch im La Bodega auf der Insel Zamalek bestellt haben. Hier gab es immer tolle Menüs, die jetzt leider nur noch zum Mittagstisch zu bestellen sind. Trotzdem sind wir mit dem Essen sehr zufrieden.
Wir bestellen für drei und teilen alles: Linsensuppe, Tomaten-Mozzarella-Salat, gemischten Salat, Hühnchen in einer scharfen Karottensoße mit Reis, Gnocci mit Lammfleisch und Minzsoße, Beeffilet mit Tomaten, Käse und Backkartoffeln; zum Nachtisch gibt es noch Tiramisu und eine Kreation aus Frischkäse und kandierten Früchten in Mandelteig, die so lecker ist, dass wir sie gleich noch einmal bestellen. Der Service ist fantastisch; wir fühlen uns rundum wohl und gut umsorgt.
Auf dem Heimweg durchs nächtliche Kairo bleiben wir sicherheitshalber  auf den belebten beleuchteten Hauptstraßen und kommen so gut zu unserem Hotel zurück.
 
6.2.2015
Weil wir den morgendlichen Wochenendverkehr schlecht einschätzen können, sind wir eine Viertelstunde zu früh am Balloon National Circus, dem Treffpunkt, an dem wir uns mit Azza und ihrer Familie verabredet haben. Hier fällt uns auf, dass unsere Autolizenz fehlt, die wir gerade noch in der Hand hatten. Während die anderen noch schnell tanken, fahren wir zurück und finden tatsächlich auf dem Boden unseres Parkplatzes die kleine Karte. Es ist also alles wieder gut und wir starten mit nur wenig Verspätung in Richtung der Fayoum-Oase.
 
7.2.2015
In dem Verkehrschaos kann ich es mal wieder kaum glauben, dass die am lautesten Hupenden schneller vorankommen. Nach einer kurzen Erholungspause im Hotel treffen wir uns mit Azza und ihrem Mann Mohamed im libanesischen Restaurant "El Taboula" zum Abendessen. Wir bestellen verschiedene Kleinigkeiten (Champignonsuppe, Homous, Knoblauchpaste, Taboulasalat, würzige Kartoffeln, scharfe Würstchen, gemischtes Grillfleisch, zum Nachtisch Om Ali, Mechalabeja, süßen Käse) und teilen alles, um überall kosten zu können. Nach unserem anstrengenden Wochenende können es die beiden kaum glauben, dass wir zu Fuß unterwegs sind, und lassen es sich nicht nehmen, uns zum Hotel zurück zu fahren. Danke für alles, ihr beiden!!
 
8.2.2015
Ini und Andi sind in der Nacht wieder von den Mücken drangsaliert worden. Mit zwei so Süßen neben mir, bleibe ich verschont. Von unserem Zimmerbalkon aus beobachten wir das Parkplatzchaos in unserer "Garage". Die doppelreihig stehenden Fahrzeuge sind noch von Autos umringt, die bei Ausparkwünschen einfach weggeschoben werden. Auch für uns müssen einige Autos weichen. Wächter haben die Hosentaschen voller Schlüssel, rangieren ständig hin und her und befreien uns schließlich aus unserer Lücke.
Während der Fahrt kümmert sich Andreas um den chaotischen Verkehr, ich versuche uns per GPS auf dem richtigen Weg zu halten und Ini schießt ein paar Fotos aus dem Autofenster, die das Leben ein Kairo ein bisschen einfangen.
An der Zitadelle merken wir, dass die Stadt auf Mietwagentouristen überhaupt nicht eingestellt ist. Wir finden leider nur auf der Rückseite eine Parkmöglichkeit, müssen sie also erst einmal halb umrunden, um überhaupt hinein zu kommen.
In der El-Naser Mohamed Ibn Qalawoon Moschee kaufen wir blaue Plastikschuhüberzieher, damit wir sie betreten können, ohne auf Strümpfen laufen zu müssen.
Dann wollen wir zum Militärmuseum. Hier sehen wir aber nur relativ moderne Kriegsmaschinerie im Außenbereich. Die pharaonischen Streitwagen, die uns eher interessiert hätten, finden wir nicht. Im Marstall nebenan sind die königlichen Kaleschen ausgestellt. Die dürfen aber nicht fotografiert werden.
Das Polizeimuseum wollen wir nicht, wollen gerade vorbei gehen, da sehen wir durch das Tor eine weitläufige Aussichtsterrasse. Von hier oben bekommen wir in Ansätzen ein Gefühl für die Größe Kairos, können in der Ferne sogar die Pyramiden sehen. Das Zeitgefühl haben wir gerade total verloren. Deshalb sind wir etwas überrascht, als die Muezzine der ganzen Stadt zur Mittagsstunde gleichzeitig ihren Gesang beginnen. Ich find's toll!
Die Kairo überragende Moschee in der Zitadelle ist der berühmten Blauen Moschee in Istanbul nachempfunden. Wir belauschen einen deutschsprachigen Guide, der erklärt, dass der Marmor für die Verkleidungen von der Cheopspyramide abgetragen wurde. Das ist aber eine pure Erfindung, Azza weiß es besser: Die Pyramide wurde aus Kalkstein erbaut, der Marmor für die Moschee wurde aus Italien importiert. In der Moschee sind nicht die kunstvollen Ausstattungen das Highlight, sondern WIR - insbesondere meine blonde Lieblingsfreundin! Die arabische Jugend um uns herum will unbedingt mit ihr fotografiert werden.
Der Palast ist leider geschlossen. So werfen wir nur noch einen letzten Blick auf die Moschee und die Stadt und machen uns wieder auf den Weg.
Nach einem kleinen Abstecher durch und um die Totenstadt, wo die Leute in und auf den Gräbern ihrer Ahnen wohnen und gleich daneben ihre Handwerke und Märkte aufgebaut haben, besuchen wir noch zwei Moscheen, von denen uns schon die Fassaden faszinieren.
In der Al-Rifai-Moschee sehen wir prachtvolle Sultangräber aus Marmor. Fotografieren ist hier kein Problem. Der Wachhabende präsentiert uns mit seinem Gesang die tolle Akustik eines der Räume. Dafür hat er sich ein Bakschisch verdient.
In der Sultan-Hasan-Moschee halten wir uns nur kurz auf und schauen uns den großzügigen Innenraum an. Hinter den beiden Moscheen scheint noch eine neue Ausgrabungsstätte zu sein - wir finden dort die Toiletten.
Zurück am Hotel ist der Parkplatz inzwischen so voll, das gar nichts mehr geht. Aber wir haben ja gestern Nachmittag beobachtet, dass der Tahrirplatz mitsamt einem nagelneuen unterirdischen Parkhaus frei gegeben ist. Das probieren wir also gleich aus und finden hier ohne Probleme einen Platz. Nach einer kurzen Pause im Hotel marschieren wir zur nächsten Metrostation - die "Sadat" gleich nebenan ist leider immer noch gesperrt - und fahren ins Koptische Viertel.
Azza hat uns einiges erklärt: In der Hängenden Kirche, die so heißt, weil sie auf einer Römischen Festung erbaut wurde, symbolisiert ein Holzboot, das die Arche Noah darstellt, Jesus, den Retter. In einer Reihe von weißen Säulen steht eine schwarze für den Verräter Judas inmitten der Jünger Jesu. Wir schauen uns im Vorgarten noch die Mosaike an und wollen dann ins Koptische Museum.
Dafür ist es aber leider schon zu spät. Hier wird um 16 Uhr geschlossen (Azza hat uns vorgewarnt, aber wir konnten nicht eher!).
Mit der Metro fahren wir weiter nach Maadi, weil wir hier einen Ägyptischen Fastfoodladen kennen, in dem das Essen immer gut war. Wir sind auch heute sehr zufrieden und fahren wieder zurück zum Zentrum. In unserem Wagen bricht gleich nach dem Einsteigen ein aufgeregtes Geschnatter an - wir sind in einem der "Nur-für-Ladies-Abteile" gelandet. Darauf hatten wir gar nicht geachtet. Eine junge Frau macht uns darauf aufmerksam; so steigt Andreas an der nächsten Station brav in einen anderen Wagen um und die erhitzten Gemüter beruhigen sich schnell.
Zum Abend fahren wir zurück in die Stadt und treffen uns mit Azza im Ghouri-Dome zu einer Performance Nubischer Trommler. Die Gruppe besteht aus Nubiern, die aus dem Süden Ägyptens stammen und eine ganz schmucke junge Sängerin dabei haben, und aus Musikern aus dem Nildelta im Norden. Außerdem kommt noch eine lustige Bläser- und Trommlergruppe aus Kairo, die sonst auf Feiern, wie z.B. Hochzeiten spielen. Das Konzert ist wieder fantastisch. Als krönender Abschluss wirbelt ein Soufi-Tänzer über sieben Minuten lang auf der Stelle um sich herum und macht dabei die verschiedensten Kunststücke.
Wir sind wieder so begeistert, dass wir gar nicht gleich nach Hause können, sondern uns erst noch im Saftladen gegenüber auf Orangen- und Zuckerrohrsaft zusammen setzen, um den Abend ausklingen zu lassen.
 
9.2.2015
Heute ist Pyramidentag. Wir beginnen in Giza bei den berühmtesten und werden sofort von Schleppern überfallen, die uns unbedingt eine Kalesche oder Pferde andrehen wollen, weil der Weg von 15 km zu Fuß nicht zu bewältigen sei. Als wir das ablehnen, versucht uns einer einzureden, dass der Besuch zu Fuß GAR NICHT möglich sei.
Nachdem ihm dabei auch noch sein Frühstück aus dem Mund sprudelt, lassen wir die alle stehen und fahren mit dem Auto direkt an die Pyramiden heran und siehe da: wir wandern über das ganze Gelände, müssen aber auch hier ständig die Kamel- und Pferdeanbieter abwimmeln.
Auf dem Areal sind in einem abgegrenzten Bereich europäische Archäologen an der Arbeit. Das "Betreten-verboten-Schild" müssen wir übersehen haben. Es stört sich aber niemand an unserer Anwesenheit und es gibt auch nicht viel zu sehen.
Auf einem Schleichweg an den kleinen Pyramiden der Königinnen entlang kommen wir zur Sphinx und - nach großer Überredungskunst - für ein kleines Bakschisch zum Hintereingang hinein, sparen uns und unseren Füßen damit eine recht große Runde.
Für den krönenden Abschluss haben wir Tickets für die Große Pyramide gekauft. Auf dem Weg dorthin werden wir wieder von einigen Schleppern zu einer der kleinen Pyramiden gedrängt. Sie locken uns damit, dass wir sofort hinein können. Als wir uns dann trotz gewisser Skepsis dazu durchringen, sollen wir plötzlich doch wieder warten. Nein, darauf haben wir keine Lust - außerdem sieht der Blick ins Innere nicht wirklich verlockend aus. Währenddessen ist Andreas von jungen Männern für ein Foto überredet worden. Zur Zeit scheinen Touristen eine der größten Attraktionen zu sein.
In der Großen Pyramide müssen wir erst von außen einige Stufen nach oben klettern, um zum Eingang zu gelangen. Drinnen geht es durch einen nur etwa einen Meter hohen und einen Meter schmalen aufsteigenden Korridor, der in die Große Galerie mündet. Diese ist eigentlich nur ein etwas höherer ansteigender Korridor. Von dort aus krabbeln wir durch einen wieder nur 1x1 Meter engen und etwa sieben Meter langen Korridor in die Königskammer. Hier steht der natürlich leere Granitsarkophag des Cheops, der auf den Schildern hier Khufu heißt. Es ist schwül, stickig und sehr sauerstoffarm. Dennoch müssen wir erst ein bisschen verschnaufen. Wir setzen uns auf den Boden und lehnen uns an den kühlen Granit. Zwei junge Leute testen die Akustik mit schönen Gesängen. Bevor der Kreislauf ganz kollabiert, machen wir uns wieder an den Abstieg.
Südlich von Kairo fahren wir auf einer gut ausgebauten Asphaltstraße weiter zu den nächsten Pyramidenbauten. Unterwegs kaufe ich an einem kleinen Stand ein paar Büchsen kalte Cola. Der kleine Junge, den ich anspreche, sieht mich an, als hätte er noch nie eine weiße Frau gesehen. Nach etwa 25 km sind wir in Dashur. Auch hier dürfen wir mit dem Auto direkt an die Rote und die Knickpyramide heran fahren. In nördlicher Richtung sehen wir die Stufenpyramide von Sakkara.
Da wollen wir auch noch hin und nehmen jetzt die kleinen holprigen Dorfstraßen. Leider kommen wir zu spät, dürfen nur kurz zum Wenden auf das Gelände und holpern deshalb gleich weiter an grünen Feldern mit Bewässerungsgräben, ausladenden Palmenwäldern und Haustieransammlungen auf Müllkippen vorbei.
In Abu Sir ist alles abgesperrt und nicht auf Touristen eingerichtet. Ein junger Mann kommt auf uns zu. Bevor der uns etwas verbieten kann, schieße ich schnell ein paar Fernfotos. Überraschenderweise lädt er uns aber ein, herein zu kommen. Natürlich wissen wir, dass uns das ein Bakschisch kosten wird, dennoch nehmen wir gerne an. In der Ferne sehen wir die Pyramiden von Giza in der einen und die Stufenpyramide von Sakkara in der anderen Richtung.
Nach ein paar Schritten werden wir an einen älteren Mann übergeben, der uns über das Gelände führt und viel erklärt. Wir sehen die Reste einer Säulenhalle, wofür der Granit per Kanal aus Assuan herbei geschafft wurde. Die Basaltsteine kamen aus Alexandria. An vielen Stellen zeigt er uns noch erhaltene Hieroglyphen und Kartuschen.
In dem Grab eines Ministers wachen Gottheiten an verbliebenen quaderförmigen Säulen.
Und plötzlich stehen wir ein paar Ecken weiter vor einer Grabkammer, in die wir von oben hinein schauen können. Dort stehen zwei Sarkophage, in denen König und Königin gelegen haben sollen. Und wieder müssen wir durch einen 1x1 Meter engen abschüssigen Schacht krabbeln, um dort hinein zu gelangen. Nun sollen wir fürs Foto auch noch auf die Sarkophage klettern. Obwohl uns das nicht so ganz geheuer ist, tun wir das schließlich, um langen Diskussionen aus dem Weg zu gehen und kommen nach einer erneuten Kletterpartie wieder oben an.
Nun müssen wir den Rundgang beenden, weil die Sonne schon bald untergeht. Natürlich ist unser selbsternannter Guide mit seinem Bakschisch unzufrieden - das wäre er aber bei jeder Größenordnung. Als er anfängt von 1000 Dollar (am liebsten sogar pro Person) zu sprechen, verabschieden wir uns ohne weitere Debatten und lassen ihn einfach stehen. Es widerstrebt mir zwar sehr; aber manchmal muss man hier einfach unhöflich sein. Der letzte Blick zurück zum Sonnenuntergang zeigt uns, dass wir wirklich spät dran sind und durch den Stau in Giza ist es dann tatsächlich schon dunkel, als wir wieder an der Großen Sphinx ankommen.
In der hintersten Straßenecke gibt es noch immer die Klingel zu Berry's Terrassenrestaurant, von wo aus man einen herrlichen Blick auf die Lichtshow an den Pyramiden hat. Wir sind die einzigen Gäste. Als es das nächste Mal klingelt, lunscht Andreas neugierig über die Brüstung und entdeckt den Lieferservice, der unser Essen bringt. Es ist auch nicht wirklich lecker, aber der Ausblick entschädigt dafür auf jeden Fall.
Die Rechnung bekommen wir wie immer mit den üblichen 12 % Serviceaufschlag. Allerdings kann bei einer Summe von 396 LE dieses eingeplante Trinkgeld wohl keine 105 LE betragen. Wir monieren das, wobei wir uns relativ sicher sind, dass der bedienende Junge das gar nicht wirklich ausrechnen kann. Aber mit einer korrigierten Rechnung von 444 LE sind wir dann einverstanden. Zum Sattwerden gibt es nebenan noch einen kleinen KFC-Snack.
An unserem Hotel werden wir von einem total aufgeregten Concierge empfangen, der uns gleich erzählen muss, dass er Wladimir Putin am Opernhaus gesehen hat. Dort sind wir heute früh entlang gefahren und haben ganz viele russische Fahnen und Putin-Plakate gesehen. Nun wissen wir auch, warum.
 
10.2.2015
Auf dem Weg zur nächsten Metrostation müssen wir uns wieder durch den chaotischen Verkehr kämpfen, was ja nicht nur mit dem Auto ein Abenteuer ist. Wir beiden Ladies verstecken uns dabei hinter dem mächtigen Andreas-Kreuz. Zwei Stationen weiter steigen wir an dem frisch restaurierten Ramses-Bahnhof aus und nutzen heute das GPS für den kürzesten Weg zum Khan El Khalili.
Es funktioniert hervorragend. Durch ein Gewirr von Winkelgassen, die in verschiedene Handwerke geteilt sind, können wir fast Luftlinie laufen.
Auf dem großen Basar gehen wir heute Mitbringsel shoppen: Skarabäus-Käfer, Pyramiden, Gewürze, Tees und Honig für die Lieben zu Hause. Der Verkäufer eines Goldladens erklärt uns in fast perfektem Deutsch die verschiedenen Karatwerte. Wir antworten mit unserem obligatorischen "Mmmmmh!" in verschiedenen Variationen, weil wir natürlich nichts davon kaufen wollen. Daraufhin kriegen wir eine wirklich interessante Darlegung seiner Beobachtungen präsentiert: Wir müssten wohl Deutsche sein. Österreicher und Schweizer sprächen zwar auch Deutsch, aber diese würden mit "Ja!" oder "Nein!" antworten. Nur von Deutschen höre man dieses "Mmmmmh!"
Auf dem Rückweg wird es stürmisch. Wir suchen erst einmal Zuflucht in dem kleinen Grillrestaurant. Weil es nicht besser wird, nehmen wir ein Taxi. Die geplante Felukenfahrt auf dem Nil muss nun leider ausfallen. In dem wirbelnden Gemisch aus Sand, Dreck und Staub sind wir erst einmal froh, wieder im Hotel zu sein.
Bei dem Wetter bleiben die meisten Kairoer zu Hause, deshalb kommen wir viel besser als geplant durch den abendlichen Verkehr und sind schon eine halbe Stunde vor dem mit Azza vereinbarten Treff im Fish-Market Americana, einem Restaurantboot direkt am Nil.
Bei einem schwarzen Tee mit Minze schauen wir uns schon einmal die Speisekarte an; die Bestellung überlassen wir aber lieber Azza und Andreas, die sich mit so etwas auskennen. Sie wählen Dorade, Seebrasse, Gambas und ein Filet. Dazu gibt es eine köstliche Fischsuppe und die leckeren Pasten Tachina, Humous und Babaganouh, Nudeln und gewürzten Reis.
Der Sturm draußen wird immer heftiger und peitscht die Palmen der Uferpromenade. Azza erzählt uns, dass es im Koptischen Kalender eine andere Einteilung gäbe. Der vorige Monat sei der kälteste gewesen und gestern hätte der windigste Monat begonnen. Wenn wir die nächste Reise planen, werden wir also vorher den Koptischen Kalender zu Rate ziehen.
Heute müssen wir uns von Azza verabschieden - es war wieder eine sehr schöne Zeit. Zur Erinnerung schenkt sie mir eine Kette mit sechs Wünschen, die zum Teil recht schwierig aus dem Arabischen zur übertragen sind: gute Gesundheit - صحة [sacha], Glück - سعادة [sa'ada], Liebe - حب [hab], beste Freundschaft - مودة [mawadda], Lebensqualität - رزق [razukha], Schutz der Bedürfnisse und Schwächen - ستر [satr]. Hab vielen Dank!!!
 
11.2.2015
Es stürmt immer noch. Beim Verlassen des Hotels sehen wir eine ganze Menge aufgeregter Ägypter, die mit ihren Handys fotografieren. Ein Blick in Richtung Tahrir-Platz zeigt uns den Grund: quer über die Straße liegt ein entwurzelter Baum, in dem sogar noch eine kleine Palme hängt.
Es muss also doch ein besonders heftiger Sturm sein, den wir hier erleben. Auf der Fahrt zum Flughafen ist der Verkehr nicht ganz so chaotisch wie sonst. Hier hängen wieder große Plakate, auf denen Wladimir Putin: До Свидания! gesagt wird. Obwohl keine Sonne scheint, setzen wir die Brillen auf und wickeln die Tücher ums Gesicht, um uns durch den Sandsturm zu kämpfen.
Bei der Autoübergabe gibt es keinerlei Beanstandungen. Es will auch keiner mehr irgendwelche Gebühren von uns haben. So setzen wir uns noch gemütlich in ein Café, nutzen das Flughafen-WIFI für den Kontakt nach Hause, beobachten die Reinigungskräfte, die panisch versuchen, dem Sandsturmdreck Herr zu werden und wollen eigentlich das Tagebuch unserer ersten 2015-Tour beenden. Doch es kommt anders. Wegen des Sturms ist die Swiss-Air-Maschine gar nicht bis nach Kairo gekommen, sondern zurück nach Zürich geflogen.
Wir müssen deshalb ins benachbarte Le Meridien-Hotel  ziehen (die 350 Dollar pro Nacht müssen wir natürlich nicht bezahlen) und hoffen, dass sich die Wetterlage bald bessert. Auf unserem Voucher ist die Vollverpflegung angekreuzt, deshalb gehen wir gleich erst einmal zum Lunch, haben hier ein reichhaltiges Buffet mit Salaten, verschiedenen Fleisch- Fisch- und Gemüsesorten, Beilagen und Soßen. Am schönsten aber sind die Desserts. Wir kosten uns durch viele kleine leckere Kuchen, Cremes und Puddings, bis wir uns kaum noch bewegen können. Der Flugausfall wird uns wohl einige Pfunde kosten.
Das Bier zum Essen müssen wir natürlich bezahlen. Pro Flasche kostet es 43 LE (ca. 5 €) - für drei also 129 LE (ca. 15 €). Wir bezahlen mit einem 20 €-Schein und bekommen 10 LE (ca. 1,20 €) zurück. Damit bin ich wieder einmal nicht einverstanden. Der Chef kommt um nachzufragen und ist bass erstaunt, dass ich ihm die Umrechnungen in Windeseile auf einen Zettel schreibe. Er geht verdutzt mit dem Taschenrechner prüfen und bringt uns dann das richtige Wechselgeld. Wir wollen ihm 15 LE davon als Trinkgeld lassen; aber das lehnt er jetzt ab.
Nachdem wir uns so voll gefuttert haben, brauchen wir ein Verdauerli und gehen zum Flughafen hinüber, um im Dutyfree eine Flasche Ouzo zu erstehen. Leider können wir als Ausreisende aber hier nicht einkaufen. Also bitten wir einen jungen Mann, der gerade bezahlt, unsere Flasche mit zu übernehmen. Das ist für ihn kein Problem. So verbringen wir den Nachmittag mit Duschen, Haare waschen, Ouzo trinken, Quizduell spielen, Sturmbilder im Fernsehen und im Internet verfolgen und mit der Heimat Whatsapp-chatten in unserem Zimmer, bis es Zeit fürs Abendessen ist.
Obwohl eigentlich nichts mehr hinein passt, probieren wir Linsensuppe, Hühnchen, Kofta, Gemüse, Nudelauflauf und 18 verschiedene Dessertvarianten.
 
12.2.2015
Beim Frühstück lassen wir es heute etwas ruhiger angehen und wählen eher gesunde Nahrung.

Da wir weder per Whatsapp, per Anruf oder per E-Mail die versprochene Nachricht von der Fluggesellschaft haben, gehen wir noch einmal zum Büro der Star-Alliance. Die Dame dort weiß sofort, worum es geht. Nachdem sie ihren Rechner befragt hat, hängt sie sich ans Telefon. Ihrem Gespräch entnehmen wir, dass es uns im System nicht mehr gibt und kein Weg uns dort wieder hinein bringen kann.

Sie ist aber sehr kompetent und weiß genau, was zu tun ist. Für den Anschluss-Flug von Frankfurt nach Berlin kann sie alles drucken, was für den Flug von Kairo leider nicht funktioniert. Meinen entsetzten Blick kann sie verstehen und beruhigt uns, dass wir direkt zum Lufthansa-Schalter gehen sollen. Wir holen also unser Gepäck, sind froh darüber, alles geklärt und noch mehr uns nicht auf die Zusicherungen von gestern verlassen zu haben. Das Einchecken ohne Unterlagen erweist sich als ziemlich schwierig. Unsere nette Dame von vorhin taucht auf und überbringt doch noch irgendwelche Ausdrucke, was dem Mann am Schalter seine Arbeit jedoch scheinbar nicht erleichtert. Er ruft mehrfach nach Unterstützung. Es dauert eine gefühlte Ewigkeit, bis wir endlich unsere Bordkarten bekommen und die Nachricht nach Hause schicken können, dass alles gut geklappt hat.
Als wir endlich im Flugzeug sitzen, sehen wir noch einige Sandverwehungen auf den Rollfeldern. Die stören aber nicht - wir starten gut und kommen heil nach Hause.
 

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