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Istanbul 2013

 

Auf der Suche nach dem Frühling reisten wir in die einzige Metropole der Welt, die sich auf zwei Kontinenten befindet. Unsere Begeisterung können wir kaum in Worte fassen. Auch wenn ich es versucht habe, ist die Großartigkeit dieser Stadt nicht zu beschreiben.

Erst beim Abtippen des Tagebuches fällt mir auf, dass es fast wie eine Werbung für's "Gelbe M" wirkt - das liegt aber WIRKLICH nur daran, dass es dort den besten Kaffee gab. Wir hatten auch noch das Glück einer Stempelkartenaktion - für 4 getrunkene Kaffee gab es einen umsonst! Da haben wir eine ganze Menge geschenkt gekriegt.

Ilka, am 10.4.2013

Am Ende der Geduld wartet der Segen.
türkisches
Sprichwort

18.3.2013
Aus dem meterhoch verschneiten Moskau fliegen wir ins blühende Istanbul. Auf der Fahrt vom Flughafen zum Hotel freue ich mich über die frühlingshaft mit Stiefmütterchen, Tulpen, Hyazinthen, Primeln und Osterglocken bepflanzten Grünstreifen. Es geht vorbei am Bosporus und einer alten Burganlage, dann sehen wir von weitem die blaue Moschee, in deren unmittelbarer Nähe unser Blue-Tuana-Hotel liegt. Die Straßen werden immer enger. Bald sind es nur noch Gassen, in denen unserer Fahrer ständig hupen muss, um unser Kommen anzukündigen.
Bei Gegenverkehr muss einer bis zur nächsten Ausweichstelle zurück setzen. Die Wirtin ist eine Holländerin, die gut deutsch spricht. Unser Zimmer ist sehr klein, aber in Ordnung - schließlich wollen wir hier ja nur schlafen. Von der Dachterrasse aus haben wir einen Wahnsinnsblick auf die Blaue Moschee, die Hagia Sofia, die gesamte Altstadt und das Marmarameer.
Wir machen uns gleich auf zum ersten Spaziergang. Um uns herum hören wir Russisch, Englisch, Deutsch und recht wenig Türkisch. Die Bauwerke sind einfach nur bestaunenswert - zunächst natürlich die Blaue Moschee. Obwohl sie geschlossen ist, bietet uns ein junger Mann an, eine Besichtigung zu organisieren. Darauf verzichten wir und kommen lieber zu einer der Öffnungszeiten wieder. Vor bzw. hinter der Moschee steht ein alter ägyptischer Obelisk, der sogar echt sein soll.
Andreas liest später, dass er aus Karnak hierher gebracht wurde und etwa 4000 Jahre alt ist.
Gleich gegenüber ist die Hagia Sofia - einfach großartig! Aber auch die vielen anderen alten Moscheen und Basare sind total sehenswert. Wir fühlen uns sofort wohl, trinken einen Sahlep - ein sehr leckeres und sehr heißes Getränk aus Milch, Vanille, Zimt und verschiedenen Gewürzen, probieren die "echten" Dürüm-Döner, sind dann aber doch kaputt und müssen zurück zum Hotel, damit wir morgen wieder fit sind.
 
19.3.2013
Nach einem überraschend guten Frühstücksbuffet mit großer Auswahl auf der Dachterrasse machen wir uns auf den Weg zu unserem ersten Ziel, der Hagia Sofia. Auf dem Weg bewundern wir noch einen schönen Hinterhof und reihen uns hier in den Touristenstrom an der Kasse ein. Es geht alles sehr zügig - keine Chance, die Geduld zu verlieren. Wir bezahlen zusammen 50 TL (türkische Lira, die bei mir wegen der schönen Abkürzung schnell zu Talern werden - etwa 25 €) - und jeder Kurus (Cent) hat sich gelohnt.
Alles, was wir bisher erzählt bekamen, auf Bildern und in Filmen gesehen haben, wird von der Wirklichkeit übertroffen und ist natürlich auch auf unseren Fotos nicht festzuhalten. Obwohl der Moscheenanteil natürlich überwiegt, sind Mosaike der Heiligen Jungfrau und des Erzengels Gabriel ebenso erhalten, wie einige weitere christliche Mosaike, die bei Lichteinfall glänzen und strahlen, so dass wir einen ganz kleinen Eindruck davon haben, wie es früher gewesen sein muss, als alle Wände damit so bedeckt waren.
Wir bewundern Säulen aus verschieden farbigem Gestein und belauschen einen deutschsprachigen Guide, der seiner Gruppe gerade erklärt, wie der rote Granit aus Ägypten hierher transportiert worden ist. An mehreren Stellen werden gerade Absperrungen und Gerüste aufgebaut. Vermutlich haben wir Glück, dass wir jetzt - vor den umfangreichen Instandsetzungsmaßnahmen - hierher gekommen sind.
Wir bummeln über den Großen Basar; die Bauten sind faszinierend, aber das orientalische Flair fehlt. Es ist alles sehr ordentlich, ruhig und insgesamt eher langweilig. Wir suchen uns also schnell die Gassen, in denen eher die Einheimischen unterwegs sind und hier dann eine kleine Fressbude. Andreas isst Lammfleisch, ich möchte lieber Hühnchen. Und als Nachspeise gibt es den leckeren Reispudding, den ich schon in Ägypten so geliebt hab. Eine ganz wichtige Erkenntnis ist, dass es an jeder Moschee Toiletten gibt - davon hat Istanbul ja zum Glück genügend.
Wir besuchen als nächstes die Süleymaniye-Moschee, deren Gebäude ebenfalls sehr faszinierend ist, aber neben den beiden berühmten doch etwas verblasst. Ich gehe allein hinein, weil Andreas keine Lust hat, seine Schuhe auszuziehen. Auch der Innenraum ist durchaus schön und bemerkenswert, aber eben nicht vergleichbar mit unserem vorherigen Erlebnis. Weiter geht es auf dem Universitätsgelände entlang. Hinein kommen wir leider nicht, da alle Eingänge von aufmerksamen Securitys kontrolliert werden.
Weil wir dringend eine Pause brauchen, lassen wir uns in einem der Touristenabzocker-Straßencafés nieder und werden ständig von Socken-, Parfüm-, Kreisel-, T-Shirt- und Jackenverkäufern belagert. Das gefällt uns nicht. Da Cola und Fanta bei der Abrechnung vergessen werden, kommen wir insgesamt zu einem recht akzeptablen Preis. Der Burger-King-Kaffee schmeckt gar nicht. Auf das McCafé kann man sich aber auch hier verlassen. Wir genießen unseren Latte inmitten herrlicher Frühlingsblumen in einem vor dem kühlen Wind geschützten Park.
Jetzt sind wir wieder fit und wandern immer geradeaus an der Blauen Moschee und der Hagia Sofia vorbei durch die Altstadt bis zum Gülhane Park. Wunderbare alte Platanen mit fast weißer Borke säumen den Hauptweg, Reiher und grüne Papageien sitzen in den Baumspitzen und schreien mit den Krähen um die Wette.
Am Ausgang des Parks sind wir jetzt am Bosporus, sehen (und fotografieren) nach Asien hinüber, folgen dann der Uferstraße um die Landzunge herum, die den Bosporus mit dem Marmarameer verbindet, gehen an einer uralten Mauer entlang, an einem Leuchtturm vorbei, haben wieder den total faszinierenden Blick auf die in der Dunkelheit beleuchtete Blaue Moschee und die Hagia Sofia, bevor wir dann wieder in die engen Gassen abbiegen, um zu unserem Hotel zu gelangen.
 
20.3.2013
Große Katastrophe! Das Ladegerät meines Fotoapparates funktioniert nicht. Ich bin traurig; aber mein Schatz zaubert schnell ein Lächeln zurück, weil ich mit seinem Telefon fotografieren darf. Die Latte-Versorgung vom gelben M klappt heute auch nicht - es gibt nur schwarzen Kaffee für Andreas. Ich bekomme dafür einen Sahlep auf den Weg zum Topkapi-Palast. Obwohl der Eintritt für beide wieder die obligatorischen 50 Taler kostet, bezahlen wir gleich noch einmal 30 TL, um in den Harem zu kommen.
Und auch das hat sich wieder gelohnt. Ich liebe ja besonders diese herrlichen Deckengestaltungen. Auch die Wände und Türen sind toll mit Kacheln, Schnitzereien und Perlmuttarbeiten verziert. In den Innenhöfen herrscht wunderbare Ruhe und wir können fast die ganze Stadt überblicken. Auch wenn von der Inneneinrichtung kaum noch etwas vorhanden ist, gefällt uns der Harem sehr. Als wir die schützenden Mauern verlassen, werden wir wieder in den Strom aus Touristen gezogen, schubsen und drängen uns in die anderen Museen.
Es werden beeindruckende Schätze, Waffen, Kleidungsstücke des Sultans, Kunst- und Einrichtungsgegenstände ausgestellt, dennoch sind wir jedes Mal froh, wenn wir die überfüllten Räume wieder verlassen können. Im Garten blühen beeteweise Hyazinthen, Tulpen und Primeln in den verschiedensten Farben. Immer wieder weht uns der Wind die Frühlingsdüfte in die Nasen. Wir suchen uns zum Genießen ab und zu eine freie Bank oder Mauer, und natürlich kommt dabei auch das Bewundern der Baulichkeiten nicht zu kurz.
Das Zeitgefühl haben wir vollkommen verloren - irgendwann also verlassen wir das Palastgelände, kommen an der Rückseite der Hagia Sofia heraus (was ich allerdings erst Tage später realisiere), bummeln wieder durch den Gülhane-Park an alten Mauern und Gemäuern vorbei - besonders die Tore sind bemerkenswert. Außerdem fasziniert es uns, wie die modernen Häuser an und in die Uraltmauern hinein gebaut wurden. Für die nötige Stärkung wollen wir wieder zum Basar der Einheimischen.
Dort finden wir heute eine kleine Fressbude, vor der der typisch türkische Backkäse zubereitet wird. Davon lassen wir uns anlocken, steigen in das Kämmerchen ein Stockwerk höher und bestellen außerdem Linsensuppe, Hühnersuppe, einen Kebabfleischmix und zwei Gläser Tee. Das einzige, was wir nicht bekommen, ist der Käse. Da wir aber mehr als ausreichend gesättigt sind, verzichten wir für heute darauf. Nun wollen wir zur Galata-Brücke mit den vielen kleinen Restaurants, um den Tag gemütlich ausklingen zu lassen. Auf dem Weg dorthin entscheiden wir uns kurzerhand um für eine 1 1/2-stündige Bosporustour mit dem Boot. Wir setzen uns auf die linke Seite, sehen also auf der Hinfahrt Europa und auf der Rückfahrt Asien - können dabei aber keine Unterschiede entdecken. Es ist dunkel, als wir wieder anlegen. Jetzt bummeln wir noch über die Brücke, finden aber kein Restaurant, das uns wirklich gefällt. Zufällig stoßen wir auf den Lebensmittelmarkt der Einheimischen. Hier gibt es Käse, Obst, Gemüse, die süßen Delights, Wurst, Fleisch und Pastrima, den leckeren Schinken, den wir aus Ägypten als Bastérma und aus Russland als Básturma kennen. Davon kaufen wir ein kleines Kostehäppchen; für die anderen Leckereien sind wir einfach zu satt. Auch die Werber all der vielen kleinen Restaurants, an denen wir noch vorbei kommen, haben keine Chance. Wir lassen den Abend mit leckerem Sahlep auf einer gemütlichen Parkbank mit Blick auf die Blaue Moschee hinter bunt beleuchteten Wasserspielen ausklingen. Die Muezzine der anliegenden Moscheen beginnen mit ihren Rufen. Und hier erleben wir zum ersten Mal, dass sie in einer Art Wechselgesang aufeinander abgestimmt sind. Das gefällt uns sehr - und erst nachdem sie geendet haben, machen wir uns auf den Heimweg. Mein Fotoapparat ist immer noch nicht geladen. Morgen kaufen wir eine neue Strippe. So lange muss Schatzis Telefon noch zum Knipsen reichen.
 
21.3.2013
An den Straßenbahnautomaten kaufen wir uns jeder einen Jeton für 3 Taler und fahren über das Goldene Horn zur Endstation der Linie 1. Ein netter Sonnenbrillenverkäufer erklärt uns hier, wie und wo wir die Istanbul-Card kaufen können, mit der wir alle öffentlichen Verkehrsmittel günstiger nutzen.
Dann wollen wir uns den Dolmabahce-Palast anschauen. Der ist aber montags und donnerstags (also heute) geschlossen. So spazieren wir zurück, wollen eigentlich am Wasser entlang, was leider nur selten möglich ist und erklimmen die Höhen zum Galata-Turm, der wir aber nicht mehr hinauf klettern, sondern uns lieber ein kleines gemütliches Kellerkneipchen suchen. Heute wählen wir eine Linsensuppen, Hühnchenschnitzel (das auf türkisch lustigerweise Schinitzel heißt) mit Reis, Nudeln in saurer Sahne und einen Gemüse-Hackauflauf. Es gelingt uns tatsächlich wieder, die Touristenpfade hinter uns zu lassen. Wir bummeln an den gesammelten Lampenläden vorbei, kommen dann zu einem Viertel mit kleinen Läden, in denen Eisenwaren verkauft werden, retten uns hier in einer kleinen Teestube vor einem Regenschauer (die Betreiberin freut sich über die Gelegenheit deutsch zu sprechen - das scheint in dieser Ecke Istanbuls nicht so häufig vorzukommen), treffen irgendwann auf den Fischmarkt und sind hier auch wieder mittendrin im Touristentrubel.
Auf der Galata-Brücke lassen wir uns wieder nicht von den Restaurantwerbern verführen (obwohl es doch Tradition ist). Wir wollen andere Lokale. Ewas abseits des Lebensmittelmarktes finden wir eine freie Bank zum Ausruhen und beobachten fasziniert die Riesenmöwen, die hoch oben auf den Dächern in relativ gleichmäßigen Abständen so reglos das Treiben beäugen, dass man sie für Statuetten halten könnte. Das ändert sich schnell, als von einem Händler Wurst- und Fleischreste auf dem Platz entsorgt werden. Die Passanten müssen die Köpfe einziehen, es beginnt ein lautstarkes Gerangel um die besten Stücke und nach wenigen Minuten ist alles vom Erdboden in den Schnäbeln verschwunden. Wir nehmen den nächsten Querweg und finden den gestrigen Laden wieder. Heute kosten wir Künefe, den türkischen Käse und ich bin überrascht, dass es eine Süßspeise ist. Der gebackenen Weißkäse schwimmt in Honig und ist mit gehackten Pistazien bestreut - gewöhnungsbedürftig, aber doch sehr schmackhaft. Für Andreas gibt es noch einen Lammspieß. Dann wandern wir weiter über den Basar, auf dem wir auch einen Stecker bekommen, der meinem Fotoapparat hoffentlich helfen kann, vorbei an einigen weiteren wirklich schönen Moscheen, bis wir zum großen Aquädukt aus der Römerzeit kommen. Wir befinden uns inzwischen im moderneren Teil Istanbuls. Hier wird sicher bald das Nachtleben beginnen. Bevor es soweit ist, steigen wir schnell in die nächste Straßenbahn und lassen uns wieder in die Altstadt bringen. Heute setzen wir uns zum abendlichen Sahlep-Trinken auf die andere Seite der Blauen Moschee (neben uns tummelt sich eine Gruppe russischer Jugendlicher), lauschen wieder dem Wechselgesang der Muezzine und machen uns dann auf den Heimweg. Wir sind ganz schön geschafft - schnell ausruhen!
 
22.3.2013
Die Aufladung meiner Knipse hat nicht funktioniert - aber ich hab ja einen aufmerksamen Mann. Er hat mit Argusaugen beobachtet, dass auf der Dachterrasse ein versteckter Rechner steht. Und den benutzen wir während des Frühstücks zur Aufladung meines Lieblingsspielzeugs. Im McCafé treffen wir nette Kanadier, die nach 14 Tagen Urlaub die Nase voll vom Nescafé haben und endlich einen richtigen wollen. Das McCafé kennen sie von zu Hause gar nicht. Vom Kaffee sind sie wie wir begeistert.
Wir fahren wieder mit der Tram 1 zur Endstation, um uns heute endlich den Dolmabahce-Sarayi anzusehen. Individuelle Besichtigungen sind nicht möglich und das Fotografieren ist verboten. Naja, trotzdem schließen wir uns einer englischsprachigen Führung durch den Sultanspalast an. Die Räume und Säle sind noch vollständig eingerichtet und es ist der Wahnsinn - absolut lohnenswert! Als krönender Abschluss wird uns unter dem hohen Kuppeldach der Saal präsentiert, in dem der Sultan und seine Mannen ihre religiösen und rituellen Festlichkeiten abhielten (die Damen durften hinter Gittern sitzen und zusehen).
Wir sind beide begeistert; so etwas Tolles Bombastisches haben wir noch nicht gesehen. Die Decke und die oberen Seitenwände sind so kunstvoll bemalt, dass man Stuckverzierungen vermuten würde (natürlich gibt es das auch in anderen Palästen - aber eben nicht so toll) - an mancher Stelle bin ich mir nicht sicher, ob die Fenster echt oder gemalt sind - an der Decke hängt der größte Kristall-Lüster Europas, der mit 750 Kerzen bestückt ist.
Mit leisem Bedauern erklärt unsere Führerin, dass der goldene Thron des Sultans nicht mehr hier ist, sondern im Topkapi-Palast. Auf den vier Seiten sind hoch oben Balkone, deren drei für Gäste, damalige VIPS und das Orchester gedacht waren - nur auf dem vierten (über dem Sultan) durfte niemand sitzen. Durch die offene Ausgangstür versuche ich noch ein Foto auf die Pracht zu erhaschen, was der Realität natürlich nicht im entferntesten gerecht wird.
Weiter geht es zum Harem, der schon von außen mit der Pracht des Sultanspalastes nicht konkurrieren kann. Im Vergleich wirkt er eher einfach und bescheiden. Ebenso ist es mit den Räumlichkeiten. Es sind viele kleinere Gemächer mit anliegenden Baderäumen; nur die großen Säle ähneln der Pracht des Sultanspalastes. Hier habe ich auch nicht mehr so viel Angst davor, erwischt zu werden und ignoriere an einigen Stellen die Schilder auf denen ein winzig kleiner Fotoapparat rot durchgestrichen ist.
Immer noch begeistert und rundum zufrieden lassen wir uns erst einmal nicht davon stören, dass die dicken Wolken, die schon den ganzen Tag drohen, ihr Wasser jetzt nicht mehr bei sich behalten können. Abwarten und süßen schwarzen Tee trinken führt zu keiner Besserung, also versuchen wir uns vor dem Regen zu verstecken - zunächst auf der Fähre nach Asien. Aber auch auf dem anderen Kontinent ist das Wetter nicht besser.
In einer kleinen Kellerkneipe gibt es für uns Lammkebab, Moussaka und Köfte mit Reis. Es regnet immer noch. Nächster Versuch ist eine Rundfahrt mit einer total schönen nostalgischen roten Einkabinenstraßenbahn. Eine intensivere Besichtigung der asiatischen Seite ersparen wir uns bei dem Wetter, nehmen also die nächste Fähre zurück nach Europa. Eine weitere Idee ist, hier lustiges Straßenbahnendstationfahren zu machen. LUSTIG ist daran aber gar nichts, weil der Rest Istanbuls wohl den gleichen Gedanken hatte. Also beenden wir dieses Ansinnen und rattern wieder zurück. Zum Einkehren sind wir zu satt, also kaufen wir uns zwei Efes-Bier, gehen ins Hotel und hoffen einfach nur darauf, dass es morgen besser wird.
 
23.3.2013
Es ist fertig mit regnen, aber kühl; also ziehe ich einen großen Teil meiner mitgebrachten Klamotte im Zwiebellook übereinander. Der morgendliche Elan hält sich in Grenzen, das Hotelfrühstück fällt also aus. Trotzdem machen wir uns natürlich bald auf die Strecke. Der gute McD-Kaffee wird's schon richten.
Mit der Straßenbahn fahren wir zur Station Topkapi, wo noch ein großer Teil der alten Stadtmauer steht, die, wie mir Andreas erklärt, von der Landseite her nie bezwungen wurde. Ein Panorama-Museum sieht wichtig aus. Wir bezahlen jeder unsere 20 Taler. In einer Computeranimation sehen wir, wie das angreifende Heer versuchte, die Stadtmauer mit Kanonen und Feuerschleudern zu überwinden. Da dies nicht gelang, der Zugang zum Bosporus aber durch eine gewaltige Eisenkette versperrt war, ließ der angreifende Sultan seine Schiffe über das Land ziehen und konnte dann vom Wasser aus den Widerstand des damaligen Konstantinopel brechen. In den ersten beiden Etagen hängen ansonsten nur noch ein paar Bilder mit türkischen Erklärungen und wir haben uns schon damit abgefunden, das Eintrittsgeld aus dem Fenster geworfen zu haben.
Aber es geht ja noch weiter - in der obersten Etage erleben wir das beste Panorama, das wir uns vorstellen können. In die Kuppel eingelassen ist ein dreidimensional gemaltes Bild der Schlacht von 1453. Davor sind einige Kriegsutensilien, wie Kanonen, Kugeln, Pfeile und Bögen so angeordnet, dass sie das Bild sehr realistisch komplettieren. Die entsprechende Geräuschkulisse bietet nicht nur das Schlachtgetümmel, sondern auch Pauken und Trompeten, die die Stimmung der Truppe heben sollen. Und tatsächlich entdecken wir die Musikanten des Heeres hinter den Kämpfenden. Auch hier sind wir uns wieder einig, dass das Erlebnis jeden Cent wert war.
Weiter geht es zur Stadtmauer. Auf der Rückseite finden wir eine recht steile leicht verfallene Treppe ohne Geländer oder irgendeine andere Sicherung und können es kaum fassen, dass es uns keiner verbietet, als wir dort hinauf klettern. Wir gelangen in einen der Wehrtürme und können von hier aus ein ganzes Stück weit auf der Mauer entlang spazieren. Erstaunlicherweise sind hier kaum Touristen unterwegs.
Unsere Füße brauchen bald eine Pause, deshalb unternehmen wir einen neuen Versuch des lustigen Straßenbahnendstationfahrens. Diesmal nehmen wir die T 4 und fahren nach Norden ins pure Istanbul. Obwohl leider einige Strecken unterirdisch verlaufen, sehen wir doch jede Menge der Stadt. Von der Endstation aus geht es nun zu Fuß zurück in Richtung Zentrum. Hier tauchen wohl wirklich sehr selten Touris auf. Dieses (durchweg positive) Gefühl haben wir zumindest, als wir uns in einem Dönerkiosk nieder lassen.
In einem Futtershopschaufenster sehen wir einen großen roten mit Frischhaltefolie ummantelten Haufen, den ich in der Art auch schon auf einem der Basare gesehen hab und für eine Art Gewürzpaste halte. Das Bild daneben sieht aber eher nach rohen Hackfleischröllchen aus. Während wir noch überlegen, spricht uns ein junger Türke in perfektem Deutsch an, ob er uns helfen könne und erklärt uns dann, dies sei mit sehr scharfen Gewürzen vermischtes Hackfleisch, das durch die Schärfe der Gewürze eine Art Garung erfahren würde, ohne dabei gekocht oder gebraten zu werden. Im Laden hat man natürlich unser Interesse bemerkt und ein junger Angestellter bringt uns jedem ein Kostestück auf einem Salatblatt heraus - und es schmeckt wirklich gut - vielen Dank!
Andreas liebt die Turkish-Delights, für ihn finden wir das richtige Geschäft mit großer Auswahl und bemerkenswert guten Preisen, in dem er sich eine leckere Mischung zusammen stellen lässt. Ich möchte lieber einen Pudding und auch den finden wir natürlich. Bevor sich die Bahn in den Untergrund verzieht, steigen wir ein und fahren zurück zum Großen Basar. Eigentlich war gemütliches Einkehren zum Abend geplant, aber entweder die Restaurantschlepper sind uns unangenehm, das Lokal hat keine Möglichkeit zum Draußensitzen oder das Angebot gefällt uns nicht. Unsere Pedanterie ist ja zum Glück gar nicht schlimm. Mit einem Döner auf die Hand und einem Pudding to go setzen wir ins an unseren Lieblingsplatz mit Blick auf die Blaue Moschee. Dazu gibt es noch leckeren heißen Sahlep, der bei inzwischen 6°C wirklich angenehm ist. Lange halten wir es heute nicht aus, gehen ins Hotel zurück und erfahren im Fernsehwetterbericht, dass Deutschland immer noch bei Schnee und Minusgraden bibbert. Dagegen geht's uns hier richtig gut.
 
24.3.2013
Die Sonne lacht und macht's richtig schön warm. Deshalb steigen wir nicht in die Straßenbahn, sondern bummeln mit unserem McLatte durch die Marktgassen zum Fährhafen. Unterwegs erleben wir eine Situation, die Andreas fast 1:1 bei den Travel-Hinweisen im Internet gelesen hat.
Ein Schuhputzer kommt uns entgegen, lässt auf unserer Höhe eine Bürste fallen, was er natürlich nicht bemerkt, wir heben sie auf und bringen sie ihm hinterher. Er bedankt sich mit herzlichem Händedruck und will als Dankeschön eine Geschenk-Schuhputzung anbieten. In der Warnung haben wir erfahren, dass dieser Masche lautstarke Diskussionen und Flüche folgen, mit denen ein 20-faches des normalen Schuhputzerpreises erzielt werden soll. Darauf haben wir natürlich keine Lust. Es ist doch selbstverständlich, dass wir seine Bürste aufgehoben haben und bedarf keines Geschenkes - alles mit freundlichstem Touri-Lächeln!
Vom europäischen Eminönu lassen wir uns ins asiatische Üsküdas übersetzen, weil die Altstadt hier besonders schön sein soll. Wir haben aber dann doch keine Lust, den Berg hinauf zu kraxeln und bleiben lieber am Wasser. In einem kleinen Ufercafé setzen wir uns auf am Boden liegende weiche Kissen und genießen bei Sahlep, Tee und (am Kiosk nebenan gekauftem) kühlen Bier den Blick auf die uns inzwischen bekannten Sehenswürdigkeiten am anderen Ufer: den Dolmabahce-Palast, den Galata-Turm, die Blaue Moschee, die Hagia Sofia und den Topkapi-Palast.
Ein sehr ausgedehnter Spaziergang führt uns auch hier an Teilen der alten Stadtmauer vorbei, die inzwischen als Fundament kleiner Holzhäuschen dient, die sich an den Berg schmiegen. Es folgt ein großer Industriehafen, dann ein sehr interessanter Gebäudekomplex mit vier Ecktürmen, der aber leider militärisch genutzt wird und deshalb nicht fotografiert werden darf (worauf mich der Wachposten schnell mit seiner Trillerpfeife aufmerksam macht).
Der Weg am Wasser entlang wird uns jetzt auch versperrt; wir müssen also doch ein Stück bergauf, können aber am großen Militärkrankenhaus zum Glück schnell wieder abbiegen und gelangen endlich zurück zum Bosporus. Hier schauen wir uns den Haydarpascha-Bahnhof an, den wir uns aber nach den Beschreibungen im Internet viel eindrucksvoller vorgestellt hatten. Dann geht's mit der Fähre zurück - Asien ist abgehakt.
Am Nachmittag werden die Sonnenplätze rarer; der Himmel bedeckt sich langsam, es wird kühler, ich bin ganz schön kaputt und hab keine Lust mehr weiter zu laufen. Da hat mein Schatz die rettenden Idee, denn ein Bahnhof liegt genau vor unserer Nase.
Später erkennen wir, dass dies der Sirkeci-Bahnhof ist, der früher die letzte Station des Orient-Express' war.
Von hier fährt eine S-Bahn am Ufer des Marmarameeres entlang. Da fahren wir erst einmal mit - vielleicht finden wir ja etwas Schönes. Zunächst geht es durch die uns bekannte Altstadt direkt an unserem Hotel vorbei. Uns fällt auf, dass von allen Streckenplänen die Hälfte fehlt. Wir können also nur sechs Stationen fahren. Dann ist Schluss. In Fahrtrichtung sehe ich von weitem einen coolen runden Turm, also steigen wir aus, um uns das näher anzusehen.
Was wir hier rein zufällig finden, ist die Yedikule-Festung - ein Wahnsinnsbauwerk aus dem 5. Jahrhundert. Auf wieder mal sehr steilen schmalen ungesicherten Stufen (jeder ist eben für sich selbst verantwortlich) steigen wir auf die Zinnen empor und können hier einen fast vollständigen Rundgang machen. So bieten sich fantastische Ausblicke auf Stadt, Meer und Sonnenuntergang. Mein kleines Herz klopft laut vor Aufregung und Stolz, weil ich so heldenhaft mit meiner Höhenangst umgehen.
Die Wachmannschaft ruft uns zurück, weil die Festung geschlossen wird. Unsere Begeisterung hat alle Müdigkeit wie weggewischt. Wir müssen sie noch umrunden, bevor wir uns von dem Schmuckstück trennen und entdecken die Überreste des Goldenen Tores in der Theodosianischen Mauer. Obwohl durch Baumbewuchs und einen vorgelagerten Friedhof von seiner Großartigkeit nicht mehr viel erkennbar ist, finden wir es toll.
Auf der Rückfahrt steigen wir gleich in der Altstadt aus und folgen einem Schild, auf dem in 100 Metern "Cankurtaran sosyal tesisleri" angekündigt wird. Was wir dort finden, ist ein total schönes in die Stadtmauer integriertes Terrassenrestaurant mit Blick auf den Bosporus. Hier bleiben wir, essen gut und preiswert Fischsuppe, gemischten Salat, einen Mix türkischer Mezze, Lammkoteletts und eine Auswahl verschiedener Grillfleischsorten (was ein Versehen war, weil ich eigentlich Hünchenbrust bestellt hatte, die dann auch auf der Rechnung steht). Gegen die empfindliche Abendkühle gibt es Decken zum Umhängen. wir fühlen uns total wohl und hatten wieder einen supertollen Tag.
 
25.3.2013
Wir beginnen den Tag mit der Suche nach der Zisterne der 1001 Säulen. Sie ist irgendwo hinter der Blauen Moschee ganz versteckt und nirgends ausgeschildert - aber wir finden sie trotzdem. Ihrem Namen macht sie alle Ehre. Sanfte türkische Musik in der Dunkelheit des Raumes sorgt für ein schönes Wohlgefühl.
Etwas erstaunt landen wir am Ende der Seitenstraße genau vor unserm McCafé und müssen diesen Umstand natürlich gleich ausnutzen. Als nächstes steht der Besuch der Blauen Moschee auf dem Plan. Von außen begeistert sie uns ja schon, seitdem wir hier sind. Auch die Innengestaltung ist schön, aber wir haben inzwischen Tolleres gesehen.
Es zieht uns wieder ans Wasser - wir wandern zum Fischmarkt, wollen hier aber eigentlich gar nichts, sind ziemlich unentschlossen und fahren mit der S-Bahn zurück in die Altstadt. Hier bummeln wir also wieder über den Basar, suchen Gassen, die wir noch nicht kennen, finden diese natürlich auch und kommen an einem kleinen Naschkatzen-Laden vorbei - das heißt, wir kommen eben NICHT an ihm vorbei. Ich möchte einen Schokopudding, Andreas findet die herzhafte Ecke und nimmt lieber einen Nudelauflauf. Ich möchte noch einen Schoko-Quarkkuchen und der ist soooo lecker, mit einem russischen Zupfkuchen nur entfernt zu vergleichen schlägt er alle meine bisherigen Quarkkuchenerfahrungen. Der nette Ladenopi lässt Andreas, während ich schlemme, noch von einigen anderen Leckereien kosten. Für ihn ist das aber nicht so toll; er gönnt sich unterwegs lieber ein Muschelsandwich. Das schmeckt ihm besser.
Weil wir es so lieben, wollen wir uns trotz des kühlen Abendwindes noch mit einem Sahlep im Park niederlassen. Diesmal suchen wir uns eine Bank an den Wasserspielen mit Blick auf die Hagia Sofia aus. Unser Sahlep-Verkäufer ist gerade von russischen Touristen umringt. Ich warte, bis alle versorgt sind, und will dann unser übliches Geschäft "2 für 5" abschließen. Irgendwas läuft aber grad schief - er will 5 pro Stück - also 10 TL für beide Sahlep! Dann kann er sie behalten! Er überlegt es sich aber schnell noch anders, als ich sie wieder hinstellen will. Es ist so kalt, dass sogar unser schönes heißes Getränk schnell abkühlt, also beenden wir unseren Spaziergang und lassen uns heute Abend auf ein Touri-Restaurant in der Nähe unseres Hotels ein, weil wir zum Essen gern ein Bier trinken würden. Wir sind auf vieles gefasst und nehmen uns vor nicht zu meckern - es fällt schwer, aber wir haben unser Bier. Im Hotel haben wir den Luxus von Wifi-Empfang und lesen eine E-Mail-Nachricht, dass wir doch, wenn möglich, nach Deutschland kommen sollen. Anstatt der geplanten Ruhe geht's also erst einmal zur nächsten Reise-Agentur. Der hilfsbereite junge Mann hier ruft für uns bei der Fluggesellschaft an: Eine Umbuchung unserer Rückfluges nach Berlin ist durchaus möglich, kostet aber mehr, als eine Neubuchung. Das lassen wir also und Andreas verbringt den Rest des Abends mit der Suche nach halbwegs günstigen Flügen.
 
26.3.2013
Kaum haben wir unsere heutige Tour begonnen, beginnt es zu regnen. Den Latte gibt's also im McCafé und bald schaut die Sonne wieder hinter den Wolken hervor und wir bummeln durch die Basar-Gassen zum Busbahnhof am Goldenen Horn, denn wir wollen mit der Seilbahn zum Aussichtspunkt Pierre Loti fahren.
Unsere Wirtin meinte, der Bus Nr. 39 wär der einzig mögliche. Am Bussteig sagt man uns aber, die Linie 99 würde auch gehen. Und da dieser Bus gerade abfahrbereit steht, steigen wir ein. Er folgt auch immer brav den Schildern, auf denen Pierre Loti steht, bis uns eine Mitfahrerin darauf aufmerksam macht, dass hier Schluss ist - wir müssen aussteigen. Dummerweise steht jetzt hier kein Schild mehr und wir sind weit und breit die einzigen Touristen. Da ich nicht so recht weiß, wen ich wie ansprechen soll, stelle ich mich sehr suchend auf den Bürgersteig und warte, bis ich von einem der freundlichen hilfsbereiten Türken angesprochen werde - und das dauert auch wirklich nicht lange.
Er zeigt uns die Richtung - nachteilig ist, dass uns noch 3 km Fußmarsch erwarten; vorteilig ist, dass wir dabei wieder an diesen Leckerei-Geschäften vorbei kommen. In eines müssen wir natürlich hinein. Es ist alles nur halb so teuer wie auf der Touri-Meile. Wir kosten uns durch Tulumba und verschiedene Bakhlavas - und nehmen auch reichlich Wegzehrung mit. Als wir dann endlich unseren Pierre Loti erreichen, hat die Sonnen inzwischen gewonnen. Wir haben also wirklich einen fantastischen Blick auf fast ganz Istanbul, wundern uns nur ein bisschen über die wenigen Touristen und finden des Rätsels Lösung, als wir wieder nach unten wollen: die Seilbahn ist heute nicht in Betrieb. Was haben wir wieder für ein Glück gehabt. Abwärts ist der Weg quer durch einen Friedhof, der sich am ganzen Berg entlang zieht, leicht zu ertragen.
Wir landen an der gut besuchten Eyüp-Sultan-Moschee, setzen uns mit einem Sahlep auf den Vorplatz und schauen dem Treiben eine Weile zu. Dann nehmen wir wieder den Bus Nr. 99 nach Eminönü, unserer "Heimatstation". Hier suchen wir uns eine freie Bank und vertilgen die letzten Leckerlis bei gutem türkischen Efes-Bier.
Weil es uns dort so gut gefallen hat, wandern wir noch einmal an der Hagia Sofia und den Mauern des Topkapi-Palastes vorbei zum "Cankurtaran sosyal tesisleri", setzen uns aber heute nicht wieder freiwillig auf die zugige Terrasse. Im Lokal ist es auch schön. Essen und Preise sind in Ordnung. Es gibt Linsensuppe, Fischsuppe, Shepard-Salat, gebratenen Hecht und einen Grillmix. Dabei haben wir uns jetzt wohl ein kleines bisschen zu viel Zeit gelassen. Es hat wieder begonnen zu regnen und so werden wir auf unserem letzten heutigen Spaziergang zurück zum Hotel doch noch nass.
 
27.3.2013
Erstes Ziel ist heute die Basilika-Zisterne. Diese müssen wir nicht suchen; sie ist ausgeschildert und die wartende Touristenschlange nicht zu übersehen. Sie ist die größte der Istanbuler Zisternen und noch vollständig unter Wasser, so dass wir über Holzsteige gehen müssen. Die Säulen sind sparsam beleuchtet, sanfte Musik sorgt trotz der vielen Menschen für eine ruhige und entspannte Atmosphäre. Einige Säulen sind mit Mustern gestaltet; wir werden besonders aufmerksam gemacht auf die Säulenschäfte, in denen das Gesicht der Medusa mal auf Kopf und mal seitlich liegt. Ich würde gern noch verweilen und die Stimmung genießen, überlege mir das aber schnell anders, als eine lärmende Kindergruppe herein kommt. Wir sind froh, dass wir beide Zisternen gesehen haben, weil sie so verschieden und beide doch so schön sind.
Andreas hat noch ein weiteres lohnenswertes Ziel gefunden. Wir fahren mit der Straßenbahn nach Edirnekapi - und bewundern wieder die erhaltende Stadtmauer. Die Ruinen des Tekfurpalastes aus dem 13. Jahrhundert, die wir uns ansehen wollen, sind leider gerade vollständig eingerüstet und hinter einem Bauzaun versteckt. Wie zufällig stoßen wir gegen das kleine Türchen, welches sich doch auch gleich öffnet. Als wir das Gelände betreten, kommt aber gleich eine nette junge Frau, die uns ganz freundlich erklärt, dass das leider verboten ist. Schade - wir müssen also auf jeden Fall (in 10 Jahren vielleicht?) noch einmal nach Istanbul kommen.
Obwohl uns die Spaziergänge der vergangenen Tage in den Knochen stecken und ich eigentlich gar nicht mehr kann, laufen wir noch an der Mauer weiter zum Wasser hinunter, nehmen dann aber den Bus nach Eminönu und stürzen uns wieder ins Getümmel des Basars. Am letzten Abend müssen wir den ganzen Trubel noch einmal richtig genießen, machen ab und zu gemütliche Pausen mit Chicken-Döner, Tee, Sahlep, Schokoladenpudding, Limonenkäsekuchen, noch mal Tee und dann auch noch einem gut gekühlten Efes. Es war heute schon den ganzen Tag über sehr ungemütlich - kühl und windig - jetzt beginnt es auch wieder zu tröpfeln, also beenden wir den Urlaub Tagebuch schreibend, Pudding essend und Bier trinkend auf der Dachterrasse unseres Hotels.

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